Börsen-Update der Woche : Es bleibt spannend

19.11.2022 | 13:52
Die Zentralbanken signalisierten diese Woche, dass weitere geldpolitische Straffungen erforderlich sind und sorgten damit für eine gewisse Beunruhigung. Dementsprechend gingen die Finanzmärkte uneinheitlich ins Wochenende. Die Volatilität könnte jederzeit wiederaufflammen, zumal nach wie vor eine weltweite Rezession droht und die Finanzmärkte in den letzten Monaten deutlich aufwärts tendierten.
Wochenperformance*
DAX
14431  +1.46% Chart
STOXX EUROPE 600
433.33  +0.25%
Chart STOXX EUROPE 600
S&P 500
3965.34  -0.69%
Chart S&P 500
NIKKEI 225
27899.77  -1.29%
Chart NIKKEI 225
GOLD
1750.40$  -0.73%
Chart GOLD
BRENT OIL
87.82$  -9.24%
Chart BRENT OIL
EURO / US DOLLAR
1.03$  -0.03%
Chart EURO / US DOLLAR
Tops / Flops der Woche

Tops

Tencent (+35 %): Nach den zuletzt in Hongkong erreichten Tiefständen profitierte der Konzern - ebenso wie andere chinesische Technologiewerte - von einer hohen Kaufneigung der Anleger. Auch Alibaba, Pinduoduo und Sea Limited wurden von dieser Kaufwelle erfasst.

Somfy (+22 %): Die Familie Despature bietet den Minderheitsaktionären des französischen Unternehmens eine Ausstiegsmöglichkeit in Form eines öffentlichen Übernahmeangebots von 143 EUR je Aktie. Seit dieser Ankündigung notiert die Aktie leicht über diesem Niveau, was ein Hinweis darauf ist, dass der Markt etwas mehr für einen Abschied von der Börse erwartet.

Teleperformance (+19 %): Nachdem die Aktie infolge der Enthüllungen über die Arbeitsbedingungen in Kolumbien hohe Kurseinbußen verzeichnet hatte, erholte sie sich dank des letztendlich doch recht geschickten Krisenmanagements.

BAE Systems (+9 %): Der Konzern bekräftigte vor dem Hintergrund des soliden Umfelds für den Verteidigungssektor seinen Jahresausblick. Die Briten halten Ausschau nach Übernahmezielen.

Infineon (+9 %): Der deutsche Halbleiterspezialist hob seine Langfristprognosen an und gab Einzelheiten zu seinen Investitionsvorhaben bekannt. Das so demonstrierte Vertrauen in die Zukunft vermittelte den Anlegern Sicherheit.

Flops

Dlocal (-53 %): Das in Uruguay ansässige und in den USA notierte Unternehmen verbuchte massive Kursverluste. Der bekannte Leerverkäufer Muddy Waters hatte eine Studie veröffentlicht, die dem Fintech betrügerische Praktiken unterstellte.

Aston Martin (-21 %): Nach Einschätzung des Analysehauses Jefferies wird trotz der jüngsten Kapitalerhöhung noch mehr frisches Geld nötig sein (wahrscheinlich im Jahr 2024), um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Dieses potenzielle Verwässerungsrisiko stößt bei den Anlegern nicht gerade auf Begeisterung.

Zoominfo Technologies (-20 %): Die Aktie ging nach vorsichtigen Formulierungen des Managements auf der von RBC Capital Markets veranstalteten Technologiekonferenz auf Talfahrt.

Eutelsat (-18 %): Die Anleger stehen der Fusion mit OneWeb, die diese Woche endgültig beschlossen wurde, weiterhin vorsichtig gegenüber.

Coinbase (-15 %): Die Handelsplattform für Kryptowährungen wurde von der Schockwelle des Sektors infolge der FTX-Pleite ergriffen.

Nexi (-13 %): Das italienische Unternehmen geriet an der Börse unter Druck, weil der Aktionär Intesa Sanpaolo seine Beteiligung von 5,1 % verkaufte und damit seinen Ausstieg aus der Finanzierungsrunde besiegelte.

Chart Rohstoffe
Rohstoffe

Energie: Die Ölpreise gaben in der vergangenen Woche nach. Die Zunahme der geopolitischen Spannungen in der Ukraine, die normalerweise mit einem Ölpreisanstieg einhergeht, war nur von kurzer Dauer, denn die USA verwarfen schnell die Hypothese eines russischen Bombardements jenseits der ukrainischen Grenze auf polnischem Gebiet. Die Preise wurden daher insbesondere von der OPEC beeinflusst. Diese senkte ihre Prognose für die Ölnachfrage erneut, weil Chinas Wirtschaft angesichts der weiterhin belastenden Null-Covid-Politik nur langsam wieder in Schwung kommt. Die vorsichtige Haltung des Kartells und dessen düstere Einschätzung der Weltwirtschaft trübten die Stimmung der Marktteilnehmer. Rohöl der Sorten Brent und WTI kosten derzeit 86 bzw. 79 USD je Barrel. In Europa läutet der Temperaturabfall den Beginn der Heizperiode ein. Dies scheint die Erdgaspreise jedoch kalt zu lassen, sind doch die europäischen Gasspeicher fast vollständig gefüllt. Der niederländische Terminkontrakt TTF, der als Benchmark für die Gaspreise in Europa gilt, wird mit etwa 110 EUR/MWh gehandelt.

Metalle: Nach dem Start einer kräftigen Rally zu Monatsbeginn legten die Preise von Basismetallen eine Atempause ein. Mit Spannung werden die neuen Maßnahmen der chinesischen Regierung zur Ankurbelung der Metallnachfrage erwartet. Der Nickelpreis stieg Mitte der Woche sprunghaft und kratzte an der Marke von 30.000 USD. Eines der größten Vorkommen liegt in Neukaledonien, und Trafigura ist an der dortigen Mine beteiligt. Nachdem starke Regenfälle ein Leck in einem Damm verursacht hatten, musste die Produktion gedrosselt werden. An der LME kostet eine Tonne Nickel aktuell ca. 26.000 USD, während Kupfer bei 8.150 USD notiert. Im Edelmetallsegment legte Gold ebenfalls bei 1.760 USD eine Pause ein.

Agrarprodukte: Bei den Agrarrohstoffen fielen die Preise für Weizen und Mais diese Woche an der Börse in Chicago auf 800 bzw. 660 Cent pro Scheffel. Russland willigte ein, das Abkommen über ukrainisches Getreide um vier Monate zu verlängern.

 

Chart Rohstoffe
Makroökonomie

Marktstimmung: Komplett verwirrt. Die Anleger hatten geglaubt, die Federal Reserve würde sich über die ersten Anzeichen für eine Verlangsamung der Inflation freuen. Die US-Währungshüter sind allerdings extrem vorsichtig und wollen zuerst sichergehen, dass sie alles im Griff haben, bevor sie die Finanzmärkte in ihren Hoffnungen bestärken. Die Fed-Mitglieder erwiesen sich somit vergangene Woche als Spielverderber und machten unmissverständlich klar, dass sie noch nicht an eine Rückkehr zu einer expansiveren Politik denken. Dabei mehren sich die widersprüchlichen Signale. So halten der Arbeitsmarkt und die Einzelhandelsumsätze der wirtschaftlichen Abkühlung in den USA stand. Deutsche Anleger haben sich ungeachtet der Energiekrise ihr Vertrauen bewahrt.

Anleihen: Die US-Zinskurve zeigt weiterhin einen inversen Verlauf und signalisiert damit, dass der Markt von einer Rezession ausgeht. Aber das ist nichts Neues. Etwas verändert hat sich allerdings die Rendite zehnjähriger Treasuries, die sich nach einem Nettorückgang in der Vorwoche bei ca. 3,78 % einpendelte. Die Anleger scheinen wohl davon auszugehen, dass die Fed sich trotz ihrer jüngsten Warnungen einer Kurswende nähert. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist erneut unter 2 % gerutscht, die französischen Staatspapiere mit gleicher Laufzeit rentieren bei 2,46 %.

Devisen: Der US-Dollar hat nach seiner jüngsten Talfahrt offenbar wieder Boden unter den Füßen, vor allem gegenüber dem Euro, der aktuell bei 1,0337 USD notiert. Das Pfund Sterling erholte sich und liegt derzeit bei 1,1895 USD. Der Euro verbesserte sich auch leicht gegenüber dem Schweizer Franken auf 0,9863 CHF.

Kryptowährungen: Der Bitcoin verlor letzte Woche in einem Kursrutsch 22 %. Diese Woche stabilisierte er sich und bewegte sich bei Redaktionsschluss um die Marke von 16.500 USD. Der Kollaps der Kryptobörse FTX letzte Woche beunruhigt nach wie vor Akteure, die über ein Engagement in Kryptowährungen verfügen, wie der Abzug von Liquidität von den Handelsplattformen belegt. Zudem zieht der Zusammenbruch von FTX immer weitere Kreise und hat einige internationale Branchenakteure offensichtlich kräftig erschüttert. Beunruhigend ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass Abhebungen ausgesetzt wurden. Bitcoin-Begeisterte brauchen somit noch einige Geduld, bevor sich ihr Kryptouniversum wieder aufhellt.

Termine: Am Mittwoch (23.11.) erfahren die Finanzmärkte mehr über den aktuellen Zustand der führenden Volkswirtschaften, die an diesem Tag ihre Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor im November veröffentlichen. Am gleichen Tag werden die aktuellen Zahlen zu den Auftragseingängen für langlebige Wirtschaftsgüter in den USA und das Protokoll der letzten Fed-Sitzung erwartet. Am Donnerstag (24.11.) feiern die Amerikaner Thanksgiving, und an den europäischen Märkten steht der Ifo-Index zum Geschäftsklima in Deutschland auf dem Programm.

Kurs und Volumen
Es bleibt spannend
Nach dem erfreulichen Aufschwung in der Vorwoche zweifelte der Markt diese Woche erneut an der Geldpolitik der Zentralbanken. Ist der Höhepunkt der Inflation bereits überschritten? In diesem Fall könnten die Währungshüter ein langsameres Tempo bei ihren Leitzinserhöhungen ins Auge fassen. Darauf scheinen die Marktteilnehmer vergangene Woche gesetzt zu haben. Man darf dabei allerdings nicht vergessen, dass der Renditeabstand (Spread) zwischen zehn- und zweijährigen US-Treasuries in freiem Fall ist und im negativen Bereich liegt. In der Vergangenheit folgte auf dieses Szenario stets eine Rezession. Die Frage ist, wie lange und wie stark die Wirtschaft schrumpfen wird. Der Zeitraum, über den dieser Spread in Negativterrain liegt, ist im Allgemeinen ein guter Indikator dafür, wie tief die Wirtschaft anschließend in die Rezession rutscht. Wir werden diese Zahlen weiter aufmerksam verfolgen. Die Anleger hoffen jedoch immer noch auf eine Jahresendrally. Wir halten das vor allem nach der kräftigen Erholung in den letzten Wochen für etwas blauäugig. Doch wohin wird die Reise wohl gehen?
*Die Wochenperformance der Indizes und Aktien bezieht sich auf den Zeitraum von der Eröffnung der Märkte am Montag bis zur Erstellung dieses Newsletters am Freitag.
Die Wochenperformance von Rohstoffen, Edelmetallen und Währungen bezieht sich auf den 7-Tage-Zeitraum von Freitag bis Freitag (bis zur Erstellung des Newsletters). Diese Vermögenswerte notieren auch an Wochenenden.
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