EZB-Präsidentin Lagarde bekräftigt Botschaft des Kurshaltens

24.01.2023 | 07:51

Eschborn (Reuters) - Die EZB wird laut ihrer Präsidentin Christine Lagarde von ihrem Kurs der Zinserhöhungen vorerst nicht abrücken.

Die Notenbank müsse die Inflation zurückdrängen, sagte Lagarde am Montagabend auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt. Die EZB habe klar gemacht, dass die Zinsen noch weiter erheblich in einem stetigen Tempo steigen müssten, um hinreichend restriktive Niveaus zu erreichen. Und sie müssten dort solange bleiben wie nötig. Unter einem restriktiven Zinsniveau verstehen Volkswirte ein Niveau, mit dem eine Volkswirtschaft gebremst wird. "In anderen Worten wir bleiben auf Kurs, um eine rechtzeitige Rückkehr der Inflation zu unserem Ziel sicherzustellen", führte sie aus. "Nur dann werden wir sagen: Mission erfüllt."

Lagarde bekräftigte damit ihre Botschaft, die sie vergangene Woche auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos geäußert hatte. Die Inflation in Europa sei viel zu hoch, teilweise aufgrund der Geopolitik der Energie - aber nicht nur, sagte sie. "Wir müssen die Inflation herunterbringen auf unser Ziel von zwei Prozent und wir werden das schaffen." Während die Energie-Inflation zuletzt zurückgegangen sei, sei die Kerninflation, in der die schwankungsreichen Energie-, Lebensmittel-, Alkohol- und Tabak-Preise herausgerechnet sind, zuletzt gestiegen. "Im Ergebnis ist es entscheidend, dass sich Inflationsraten über dem EZB-Ziel von zwei Prozent nicht in unser Wirtschaft festsetzen", sagte Lagarde. Die Teuerungsrate im Euro-Raum war zwar im Dezember auf 9,2 Prozent von 10,1 Prozent im November zurückgegangen. Die Kerninflation nahm aber zugleich auf 5,2 Prozent von 5,0 Prozent zu.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte aufgrund der rasant gestiegenen Inflation seit Juli in rascher Folge bereits viermal die Schlüsselzinsen angehoben, zuletzt im Dezember um 0,50 Prozentpunkte. Der Einlagensatz, der an den Finanzmärkten aktuell als der maßgebliche Satz gilt und den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt damit inzwischen bei 2,0 Prozent. Lagarde hatte im Dezember nach dem Zinsbeschluss weitere Zinserhöhungen im Umfang von jeweils einem halben Prozentpunkt in Aussicht gestellt. Die nächste Zinssitzung ist am 2. Februar.

(Bericht von Frank Siebelt, redigiert von Birgit Mittwollen. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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