Eurozone: Haushaltsdefizit steigt wegen Corona drastisch

22.10.2020 | 11:09

LUXEMBURG (awp international) - Das Defizit der öffentlichen Haushalte und der Schuldenstand sind im Euroraum in der Corona-Krise drastisch gestiegen. Wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Luxemburg mitteilte, stieg das Verhältnis von Haushaltsdefizit zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal saisonbereinigt von 2,5 Prozent im Vorquartal auf 11,6 Prozent. Das ist der höchste Fehlbetrag seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2002. In der Europäischen Union verlief die Entwicklung ähnlich.

Im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung stiegen die gesamten Ausgaben in den 19 Ländern der Eurozone um 9,7 Prozentpunkte auf 59,0 Prozent. Sie nahmen um rund 95 Milliarden Euro gegenüber dem ersten Quartal zu. Verantwortlich dafür sind laut Eurostat hauptsächlich die Massnahmen der Regierung zur Abschwächung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Pandemie.

Die gesamten Einnahmen stiegen um 0,6 Prozentpunkte auf 47,4 Prozent des BIP. In Zahlen gingen sie dagegen um rund 132 Milliarden Euro gegenüber dem ersten Quartal 2020 zurück. Die Zunahme in Prozent des BIP sei darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaftsleistung verhältnismässig stärker abgenommen habe als die Gesamteinnahmen, erklärte Eurostat die Entwicklung. So war das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal um 11,8 Prozent zum Vorquartal geschrumpft.

Die Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP stieg in der Eurozone im Frühjahr ebenfalls stark an. Sie legte im zweiten Quartal von 86,3 Prozent im Vorquartal auf 95,1 Prozent zu. Auch hier sind die schrumpfende Wirtschaftsleistung und die wachsenden Staatsausgaben für die Entwicklung verantwortlich.

Eigentlich setzt der Stabilitäts- und Wachstumspakt den Euroländern Obergrenzen für das laufende Haushaltsdefizit und die Gesamtverschuldung. Im dem Pakt ist festgehalten, dass das Haushaltsdefizit nicht über drei Prozent und die Staatsverschuldung nicht über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen darf. Gegenwärtig sind die Defizitregeln wegen der Corona-Pandemie zunächst bis 2021 suspendiert.

In den 27 Ländern der Europäischen Union stieg das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP im zweiten Quartal von 2,6 Prozent im Vorquartal auf 11,4 Prozent. Der Schuldenstand legte von 79,4 Prozent auf 87,8 Prozent zu./jsl/bgf/mis

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